Warum ich alleine reise

VW Bus auf einem Campingplatz in der Eifel

Wie alles anfing

Zu meiner ersten Alleinreise bin ich eher zufällig gekommen. Nachdem ich im zweiten Anlauf endlich mein Abi in der Tasche hatte, kam das Angebot von meiner Tante, mir einen vierwöchigen Englischsprachkurs an einem Ziel meiner Wahl zu finanzieren. Sie schlug New York vor, ich entschied mich für Kapstadt. Und da sich eine solche Reise zu diesem Zeitpunkt niemand von meinen Freundinnen und Freunden leisten konnte, war schnell klar, dass ich das alleine mache.

Anders als erwartet

Das ist nun schon ein halbes Leben her, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich irgendwelche Zweifel an dem ganzen Vorhaben gehabt hätte. Im Gegenteil habe ich sehr motiviert und voller Vorfreude den Flug sogar so gebucht, dass ich einige Tage vor Beginn des Sprachkurses in Kapstadt gelandet bin, um mir schon mal ein bisschen die Stadt anschauen zu können. Jugendlichen Leichtsinn könnte man das auch nennen, denn diese Idee habe ich ziemlich schnell verflucht als ich dann alleine auf meinem Zimmer saß und schreckliches Heimweh hatte. Ich habe es zwar geschafft, mit dem Zug in die Stadt zu fahren und eine erste Sightseeingtour zu machen, mich aber nicht getraut, jemanden in der Unterkunft anzusprechen und Kontakte zu knüpfen. Ich hatte also einen alles andere als gelungenen Start und es hätte nicht viel gefehlt, dass ich schon schon vor Beginn meines Sprachkurses wieder abgereist wäre.

Warum ich trotzdem wieder alleine gereist bin

Dieser für mich so schwierige Start in Südafrika hat mir gezeigt, dass ich alles schaffen kann. Ich habe es in den ersten Tagen zwar nicht geschafft, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, aber ich habe Dinge alleine unternommen, habe das Heimweh überstanden, die Zweifel überwunden und am Ende eine tolle Zeit gehabt (durch den Sprachkurs habe ich dann automatisch Anschluss gefunden). Diese Erfahrung, da bin ich mir sicher, hat mich für alle darauffolgenden Reisen geprägt. Sie hat mich selbstbewusster, mutiger und stärker gemacht. Ich wusste, dass ich es (auch) alleine schaffen kann.

Das war mir nicht sofort bewusst, diese Erkenntnis kam erst mit den Jahren. Aber heute kann ich mir meine Erfahrungen in Kapstadt immer wieder in Erinnerung rufen, wenn ich auf meinen Reisen herausfordernden Situationen begegne. Dann sage ich zu mir selbst: „Du schaffst das! Du hast das schon mal geschafft und wirst es auch dieses Mal schaffen!“

Nordlichter in Norwegen
Nordlichter in Tromsø

Eine Reise zu mir selbst

Heute reise ich gerne alleine. Es ist eine bewusste Entscheidung, mit mir selbst Zeit zu verbringen. Ich genieße es, mit mir alleine zu sein, kann den Tag in meinem eigenen Tempo gestalten und nur das tun, worauf ich Lust habe. Bei der Planung muss ich keine Kompromisse eingehen und kann mich auch noch spontan umentscheiden und meine Pläne ändern. Ich kann essen wann und wo ich will und suche die Unterkunft nur nach meinen eigenen Maßstäben aus, muss mich nach niemandem richten und mich mit niemandem absprechen. Für mich die absolute Freiheit!

Wenn ich alleine unterwegs bin, komme ich außerdem ganz anders mit Menschen in Kontakt. Ist man zu zweit oder mit mehreren unterwegs, bleibt man meist unter sich. Man wird nicht von anderen angesprochen und ist auch nicht darauf angewiesen, mit anderen in Kontakt zu kommen. Als Alleinreisende bleibt mir manches Mal nichts Anderes übrig, als gezielt auf Menschen zuzugehen, um eine Information zu bekommen. Ich werde alleine aber auch eher angesprochen oder in ein Gespräch verwickelt. Ich habe auf meinen Reisen schon so viele nette Gespräche geführt, die sich mit Sicherheit nicht ergeben hätten, wäre ich zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs gewesen. Es sind sogar schon richtige Freundschaften dadurch entstanden, dass ich über Airbnb ein privates Zimmer gebucht habe und mich mit meiner Gastgeberin angefreundet habe.

Trau dich!

Viele scheuen sich davor alleine zu verreisen, weil sie Angst haben sich zu langweilen oder einsam zu sein. Ich plädiere immer dazu, diese Einsamkeit anzunehmen und als Chance zu sehen. Als Chance, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, in sich hineinzuhören und nachzuspüren: Was tut mir gut? Was will ich? Was brauche ich gerade? Das ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, lohnt sich aber ganz bestimmt! Und wenn es mir dann doch mal zu still wird, setze ich mich einfach mit einem Buch ins Café, laufe durch die Stadt oder buche eine Tour. Und heutzutage kann man ja auch ganz einfach und spontan über Social Media mit Freunden und Familie in Kontakt treten, wenn einen die Einsamkeit überkommt.

Es besteht meiner Meinung nach außerdem ein großer Unterschied zwischen einsam und alleine sein. Ich bin auf meinen Reisen zwar alleine, aber nicht einsam.

Ganz alleine? Das ist aber mutig!

Ich habe es nie als besonders mutig empfunden, alleine zu reisen. Ich bin zugegebenermaßen aber auch keine ängstliche Person, komme gerne mit Menschen in Kontakt und gehe immer erstmal vom Guten aus. Natürlich ist es vor allem als Frau leider auch immer noch sehr vom Reiseziel abhängig, ob man besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen oder bestimmte Dinge beachten muss. Oft höre ich aber einfach auf mein Bauchgefühl. Es gibt in der Regel immer die Möglichkeit, den Ort zu wechseln, umzudrehen, sich umzuentscheiden. Und sollte dies nicht unmittelbar möglich sein, hilft selbstbewusstes Auftreten und eine eindeutige Körpersprache. Schon alleine fürs Gefühl!

Tatsächlich fehlt es mir inzwischen, wenn ich längere Zeit nicht alleine unterwegs war. Ich trage mir dann ganz bewusst eine Reise mit mir selbst in den Kalender ein und freue mich darauf, ohne Verpflichtungen und Kompromisse nur mit mir unterwegs zu sein.

Du hast Lust bekommen und willst alleine los? Wie wäre es mit einem Wochenende in Straßburg?

Bist du schon mal alleine gereist? Wie war das für dich?

Du möchtest endlich alleine los, traust dich aber nicht? Was hält dich zurück?

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